Wie entstehen Nachrichten? Welche Geschichten erzählen Kulturorte? Und wie blicken Jugendliche auf ihren Stadtteil? Acht Schüler*innen der Aletta-Haniel-Gesamtschule gingen diesen Fragen im Rahmen der Kulturjournalist*innen AG im Kreativ.Quartier Duisburg Ruhrort nach. Das vom Institut für offene Gesellschaftsstudien Duisburg (INFOGES) konzipierte und durchgeführte Projekt fand im zweiten Schulhalbjahr 2025/2026 einmal wöchentlich statt.
Ziele des Projekts
Ziel des Projekts war es, jungen Menschen einen eigenständigen Zugang zur Kulturlandschaft ihres Stadtteils zu eröffnen und ihnen journalistische Kompetenzen zu vermitteln. Dafür schlüpften sie selbst in die Rolle von Kulturjournalist*innen: Sie besuchten Veranstaltungen und Kulturorte, führten Interviews und hielten ihre Eindrücke in eigenen Beiträgen fest. Gleichzeitig lernten sie den Umgang mit Kamera und Mikrofon, entwickelten journalistische Fragestellungen und sammelten erste Erfahrungen in der gemeinsamen Redaktionsarbeit.
Unterwegs als junge Reporter*innen
Wie vielfältig journalistische Arbeit ist, erlebten die Jugendlichen bei einem Besuch im WDR-Landesstudio Duisburg. Sie blickten hinter die Kulissen der Fernsehproduktion, probierten Kameraperspektiven aus und sprachen eigene Moderationstexte ein.
Wenige Wochen später waren sie selbst als Reporter*innen unterwegs: Beim FaiR Fest am 9. Mai auf dem Ruhrorter Neumarkt interviewten sie Besucher*innen und Mitwirkende. Mit Mikrofon, Klemmbrett und Interviewleitfaden dokumentierten sie das nachbarschaftliche Miteinander und produzierten daraus einen Videobeitrag. Auch das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt wurde zum Rechercheort. Nach einer Führung erkundeten die Schüler*innen die Ausstellung eigenständig. Sie übernahmen feste Rollen im Team, führten Interviews und filmten ausgewählte Eindrücke. Aus dem gesammelten Material entstand ein weiterer Videobeitrag über die Geschichte der Binnenschifffahrt und ihre Bedeutung für Duisburg.
Atmosphäre und Austausch
Entscheidend war bei diesem Projekt nicht allein das Ergebnis. Die Kulturjournalist*innen stellten eigene Fragen, verständigten sich auf Themen und übernahmen Verantwortung. Aus anfänglichen Übungen wurde zunehmend selbstständige Medienarbeit. Die Exkursionen zeigten, dass Kultur und gesellschaftliches Leben viele Geschichten bieten, die es wert sind, erzählt zu werden.
„Uns war wichtig, dass die Jugendlichen ihre Medienkompetenz stärken und gleichzeitig erleben, dass ihre Perspektiven auf Ruhrort von Bedeutung sind und gehört werden“, sagt Tuğba Link, Projektleiterin bei INFOGES.
Damit die gesammelten Erfahrungen auch anderen zugutekommen, entwickelt INFOGES ergänzende digitale Bildungsmaterialien. Ein kreativer Reader soll Recherchemethoden, praktische Aufgaben, Erzählformen und Anregungen für eigene Quartierserkundungen bündeln. So können Schulen, Kulturinitiativen und pädagogische Fachkräfte das Konzept auch an anderen Orten aufgreifen.
Resümee und Ausblick
Die Kulturjournalist*innen AG zeigt, wie kulturelle Bildung und Medienarbeit zusammenwirken können: Jugendliche erkunden ihr Umfeld, entdecken neue Ausdrucksmöglichkeiten und bringen ihre Sichtweisen in den öffentlichen Diskurs ein. Die Ergebnisse der AG sind auf der INFOGES-Projektseite zu sehen. Die Schüler*innen gestalteten selbst Postkarten und Plakate, welche in Ruhrort verteilt wurden. So wurde das Kreativ.Quartier selbst zur Ausstellung.
Kulturjournalist*innen-AG ist ein Projekt im Rahmen des Programms Kreativ.Quartiere Ruhr, gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und umgesetzt vom Regionalverband Ruhr.
