Mit dem ersten Netzwerktreffen des Jahres lud das Programm Kreativ.Quartiere Ruhr, gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW und umgesetzt vom Regionalverband Ruhr (RVR), am 21. April 2026 in die Quartiershalle der KoFabrik ein. Rund 50 Kreativ- und Kulturschaffende nutzten die Gelegenheit, um Bochumer Akteur*innen kennenzulernen, Projektideen zu diskutieren und neue Inspiration zu sammeln.
Grußwort
Ein paar Grußworte durften zu Beginn nicht fehlen: Claudia Nussbauer, Leiterin der Stabsstelle Kreativquartiere und persönliche Referentin des Regionaldirektors, betonte die Bedeutung verlässlicher Förderstrukturen und ergänzender Qualifizierungsangebote: Nur so könnten kultur- und kreativwirtschaftliche Akteur*innen in ihrer künstlerischen wie organisatorischen Arbeit nachhaltig gestärkt werden. Sie zeigte sich erfreut über den gelungenen Trägerwechsel und den baldigen Start des neuen Qualifizierungsprogramms.
Auch Rasmus Nordholt-Frieling vom Kulturbüro der Stadt Bochum hob das Potenzial des Förderprogramms hervor. Die spartenübergreifenden Projektmöglichkeiten machen die Kreativ.Quartiere zu lebendigen Orten künstlerischer Ausdrucksformen.
Erste Impulse vor Ort
Bevor es auf einen Rundgang durch das Bochumer Viktoria.Quartier ging, stellten Projektleiterin Nathalie Schraven und Projektmanagerin Elina Thier zunächst die wichtigsten Neuigkeiten aus dem Programm Kreativ.Quartiere Ruhr vor. Dazu gehörten die Veröffentlichung der Ausschreibung 2027 und das neue Qualifizierungsangebot für Kunst- und Kreativschaffende. Hinter diesem Angebot stehen acht Workshops, die über das Jahr verteilt stattfinden und zentrale Themen der kreativen und kulturellen Arbeit aufgreifen – darunter Finanzierung, Projektmanagement, Kommunikation und ein nachhaltiges Selbstverständnis als kreative*r Unternehmer*in. Mehr Informationen zum Qualifizierungsangebot gibt es hier nachzulesen.
Im Anschluss folgte ein Impuls von Lara Müller, Curatorial Coordinator der Wanderbiennale Manifesta Ruhr 16. Sie gab erste Einblicke in das Konzept der aktuellen Ausgabe, deren Lead Partner in diesem Jahr der RVR ist. Anhand ausgewählter Kirchen im Ruhrgebiet zeigte sie, wie diese zu partizipativen Orten urbaner Transformation werden. Eine dieser Kirchen ist die Kirche St. Gertrud im Kreativ.Quartier City Nord.Essen, die heute als Kunst- und Kulturcampus unter dem Namen TRUDI bekannt ist. Im Fokus der Manifesta 16 Ruhr stehen insbesondere die Nachbarschaften, die eingeladen werden, aktiv in Räume und Erzählungen einzugreifen und diese mitzugestalten.
Auf Entdeckungstour durch das Viktoria.Quartier
Bei strahlendem Sonnenschein nahmen Annette Wolter, Agentur für Gestaltung Bochum, und Rasmus Nordholt Frieling die Teilnehmenden anschließend mit auf eine Wanderung durch das Quartier. Die Wandertruppe machte Halt an fünf Kulturorten, die die Vielfalt der lokalen Szene widerspiegeln.
Den Auftakt machte der Cute Community Space, in dem Gründer Guy Dermosessian von der Entstehung des Raums erzählte, der sich regelmäßig in eine lebendige Tanzfläche verwandelt. Weiter ging es zum Rottstr. 5 Theater, das in einer ehemaligen Bahnhalle unter der Bahnstrecke der Glückauf-Bahn beheimatet ist. Arne Nobel, Mitgründer und Schauspieler, berichtete von der 16 Jahre alten Historie des Hauses und erzählte von aktuellen und vergangenen Produktionen. Nur wenige Schritte entfernt präsentierte die Künstlerin Negar Foroughanfar im Atelier automatique die Schaufensterausstellung „OMAs Pre-CARRIER BAG“, ein Projekt aus der aktuellen Förderrunde, in dem selbstgemachte Handtaschen als Ankerpunkt für Gespräche über Migration und Care-Arbeit dienen.
Danach führte der Weg zum Dramaturgen Immanuel Bartz, der mit dem Schaubüdchen einen ehemaligen Kiosk vorstellte. Heute ist der Kiosk ein Austragungsort für verschiedenste künstlerische Aktionen über Performances und Ausstellungen bis hin zu Audio- und Licht-Installationen und bespielt die Nachbarschaft bereits seit Jahren. Den Abschluss des Rundgangs bildet das Tanzstudio von Cypher 44 e.V. Tänzerin Julia Kober gab Einblicke in die tägliche Arbeit und berichtete über das diesjährige Projekt Improve Yourself Dance Festival, das zum Austausch über Urbanen Tanz einlädt.
Zwischen Kreativität und Unternehmertum
Zurück in der Quartiershalle gab die Trainerin und Coachin Barbara Müller einen Ausblick auf ihren Workshop zur Frage, wie sich die Doppelrolle als Kreativschaffende und Unternehmer*innen vereinbaren lässt. Als eine von acht Referent*innen im Qualifizierungsangebot knüpfte sie an die angeregten Gespräche des Tages an und freute sich über den lebhaften Austausch zu ihrem Input, der in ihrem Workshop am 20. Oktober fortgeführt werden soll. Mit diesem inhaltlichen Impuls endete ein Tag, der nicht nur vom strahlend blauen Himmel über der KoFabrik getragen wurde, sondern vor allem von Begegnungen mit alten Bekannten und neuen Kontakten.
